23.02.10

Geregelte Wohnungslüftung

Fragen an den Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) e.V. zum Thema geregelte Wohnungslüftung

Ein Interview mit Dr. Lothar Breidenbach, Geschäftsführer Technik des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) e.V.

Frage 1:
In welchen Fällen sollten sich Bauherren Gedanken über den Einbau einer Anlage zur automatischen Wohnungslüftung machen? Und wann führt kein Weg an einer solchen Anlage vorbei?
Antwort 1:
Dank moderner Bautechniken sind Neubauten üblicherweise luftdicht gebaut und bei der Sanierung wird immer auch die Luftdichtheit verbessert. Damit entfällt die natürliche Frischluftinfiltration durch Fugen und Gebäudeundichtigkeiten. Dadurch findet im Falle der Fensterlüftung die Frischluftzufuhr nahezu ausschließlich vom Fensteröffnen durch die Hausbewohner statt.
Das Erreichen eines optimalen Raumluftkomforts stellt hohe Anforderungen an die Bewohner. Aus hygienischen Gründen ist einerseits ein Mindestluftwechsel erforderlich. Andererseits bedeutet ein zu langes Öffnen der Fenster einen unnötigen Energieverlust.
Eine Wohnungslüftungsanlage gewährleistet automatisch einen Mindestluftwechsel und minimiert durch die Wärmerückgewinnung gleichzeitig die Lüftungswärmeverluste.

Frage 2:
Werden die Bewohner zu "Sklaven der Technik" oder können sie ohne Einschränkungen die Vorteile einer solchen Anlage genießen?
Antwort 2:
Die Sorge, durch die Lüftungsanlage zum „Sklaven der Technik“ zu werden ist unbegründet. Die Bewohner werden in ihren Lebensgewohnheiten nicht beeinträchtigt und können nach wie vor die Fenster öffnen. Allerdings verursacht zu langes Fensterlüften in der Heizperiode die Energieverluste. Die Lüftungsanlagen können von den Bewohnern individuell eingestellt werden.
Eine typische Beobachtung bei den Nutzern von Lüftungsanlagen ist, dass die Fenster
nehmend Vertrauen in die Lüftungsanlage gewinnen und das Mehr an Komfort (Lärmschutz, kein Kaltlufteinfall) nutzen und schätzen.

Frage 3:
Auf welche Punkte sollte man achten, wenn man in die konkrete Planung für eine Wohnungslüftung geht?
Antwort 3:
- Zentrale Platzierung des Lüftungsgerätes in einem Technik- oder Abstellraum oder im Flur
- Möglichst kurze Leitungslängen bei der Verlegung der Kanäle
- Lage und Art der Luftauslässe im Raum um eine gute, behagliche Durchströmung des Raumes zu erreichen;
- Luftströmung von Wohn- in Feuchträume
- Lage der Außenluftdurchlässe in der Nähe von Heizflächen (bei Abluftanlagen)
- (ggf. Luftvorwärmung über Erdwärmetauscher)
- Dichte Gebäudehülle

Zudem bieten die Hersteller den Handwerkern auch umfangreiche Planungshilfen an.

Frage 4:
Wie aufwendig sind Wartung und Pflege von Wohnungslüftungsgeräten?
Antwort 4:
In der Regel sollten die Gerätefilter zweimal jährlich ausgetauscht werden. Bei fast allen Lüftungsgeräten wird dies durch eine Filteranzeige angezeigt. Alle zwei Jahre sollte das Gerät intern gereinigt und geprüft werden. Der Wärmetauscher kann bei den meisten Geräten herausgenommen und unter der Dusche gesäubert werden. Diese Überprüfung und Reinigung kann durch einen Fachmann durchgeführt werden.

Frage 5:
Wie aufwendig ist die Montage? Ist auch eine nachträgliche Montage im Rahmen einer Sanierung möglich?
Antwort 5:
Es ist lediglich ein Außenluft- und ein Fortluftanschluss erforderlich. Über ein Luftverteilsystem werden alle Zulufträume ( Schlafzimmer, Kinderzimmer, Arbeitszimmer, ... ) und alle Ablufträume ( Küche, Bad, WC,… ) mit dem zentralen Wohnungslüftungsgerät verbunden. Hierdurch ist eine optimale Zu- und Abluftbalance möglich. Beim zentralen Lüftungsgerät wird die Frischluft in einem Wärmetauscher durch den Energieinhalt der Abluft vorgewärmt.

Wichtig ist eine frühzeitige Berücksichtigung der Lüftungsanlage in der Planungsphase des Gebäudes. Die aufeinander abgestimmten Systeme der Gerätehersteller ermöglichen dann eine sehr schnelle Installation der Lüftungsanlage.

Frage 6:
Grundsätzlich gibt es zwei Systeme der komfortablen Wohnungslüftung: Die so genannten „Zentralen Systeme“ oder die „Dezentralen Systeme“. Worin unterscheiden sich diese beiden Systeme?
Antwort 6:
Zentrale Lüftungsanlagen versorgen ein ganzes Gebäude, während dezentrale Geräte einzelne Räume oder kleine Wohneinheiten gegebenen Falls mit mehreren Geräten versorgen. Bei Einfamilienhäusern ist der Einsatz zentraler Be- und Entlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung empfehlenswert.

Frage 7:
In welcher Bandbreite bewegen sich die Kosten für eine Wohnungslüftung?
a) für ein dezentrales System
b) für ein zentrales System

Antwort 7:
Ein dezentrales Gerät für einen Raum gibt es ohne Montage bereits um die 1000 €.
Das zentrale System mit Luftverteilung für Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche, Bad, WC und Flur liegt dagegen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus bei ca. 5.000 € zzgl. Montagekosten.


Mehr zum Thema Wohnungslüftung erfahren Sie unter www.wohnungs-lueftung.de, einem Informationsportal des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) e.V.

Quelle: http://www.wohnungs-lueftung.de/bundesindustrieverband-deutschland-haus-energie-/presse/aktuelles-experteninterview-zum-thema-geregelte-wohnungsl-ftung-bei-neub.html

 






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